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Hubert Heeg: Familiensituation individuell wahrnehmen

Hubert Heeg ist Sprecher des Konsortiums Elternchance und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung AKF e.V. als ein Qualifizierungsträger von Elternchance II.

Nach dem Studium von katholischer Theologie und Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung bin ich 1985 bei der AKF - Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung - als Referent in die Erwerbsarbeit eingestiegen. Heute arbeite ich immer noch dort, seit vielen Jahren jedoch als Geschäftsführer. Ich bin verheiratet; wir haben drei Kinder und zwei Enkel, von denen ich viel lerne. Gerade mit Blick auf meine Enkel bewundere ich die heutigen Mütter und Väter für ihre Leistungen und denke mir oft, dass wir es damals leichter hatten.

Kürzlich haben wir das 10jährige Jubiläum Elternbegleitung gefeiert. Welche Ereignisse der vergangenen Jahre sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Es sind eigentlich keine “großen” Ereignisse, sondern eher kleine Begegnungen: Wenn (vor Corona) Elternbegleiter*innen zu unserem Stand auf der Didacta gekommen sind und sich für die Qualifizierung bedankt haben. Sie hätten noch nie zuvor eine so gute Fortbildung gemacht, die so zum Nachdenken angeregt und ihre Haltung den Müttern und Vätern gegenüber so wirkungsvoll verändert hat. Das habe ich in meiner über 35-jährigen Tätigkeit sonst noch nicht erlebt.

Welcher war ihr erster Gedanke, als Sie erfahren haben, dass die Kurse für die Weiterqualifizierung zum/r Elternbegleiter*in zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht mehr in Präsenz stattfinden können?

“Au backe, wie soll das gehen?” Die Qualifizierung fußt auf der dialogischen Haltung und setzt diese in den Kursen konzeptionell um. Das kann ich mir nicht anlesen, sondern lebt sehr von der Begegnung, dem persönlichen Austausch untereinander. Aber den Dozent*innen ist es mit viel Kreativität, Engagement und Sachkenntnis prima gelungen, den Seminarraum ins Netz zu übertragen. Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut gelingt. Natürlich kann der digitale Kurs den Präsenzkurs nicht 1:1 ersetzen, dazu fehlt dann doch z.B. der informelle Austausch zwischendurch und an den Abenden. Hier wird ja das, was in den Kurseinheiten geschieht, auch sehr individuell und vielfältig nochmal nachgearbeitet.

Welches Themenfeld im Kontext der Weiterqualifizierung zum/r Elternbegleiter*in liegt Ihnen besonders am Herzen? Bitte erläutern Sie, warum.

Mit der Qualifizierung wollen wir Fachkräfte befähigen, Väter, Mütter und Kinder in ihrer je eigenen, individuellen Familiensituation besser wahrnehmen zu können. Von da aus sollen sie dann situationsorientiert arbeiten. D.h. sie entwickeln mit den Vätern und Müttern gemeinsam in einer dialogischen Haltung - also auf Augenhöhe und voller Respekt - ein Konzept, das an den individuell vorhandenen Ressourcen ansetzt. So kann es gelingen, dass Väter und Mütter für sich Möglichkeiten entdecken, etwas gestalten und bewirken zu können. Das mögen anfangs scheinbar nur Kleinigkeiten sein, aber es ist ein Anfang. Daraus kann aber etwas erwachsen, das dem Kind, seiner Bildung zugutekommt.

Die Themenfelder sind in diesem Zusammenhang nicht Selbstzweck, sondern dienen dazu, dass die Elternbegleiter*innen die familiären Situationen auch aus den jeweiligen Kontexten besser verstehen können. Dazu wird in der Qualifizierung Wissen vermittelt. Das Curriculum ist nach meiner Wahrnehmung inhaltlich breit und gleichzeitig flexibel gestaltet, so dass die Dozent*innen auf die Situationen und die Kontexte der Teilnehmer*innen eingehen und je nachdem die erforderlichen Akzente setzen können.

Von daher liegen mir nicht bestimmte Themenfelder besonders am Herzen, sondern die soziale Kompetenz der Teilnehmer*innen: Dass sie beispielsweise lernen, besser auf sich zu achten und vorurteilsbewusst zu agieren, oder Faktoren zu erkennen und ändern zu können, durch die Menschen ausgeschlossen werden. Und dass sie ermutigend und integrierend handeln.

Wo gibt es sogenannte blinde Flecken? Welche Inhalte möchten Sie gerne im Curriculum berücksichtigt haben?

Alle Welt redet von dem Digitalisierungsschub, der durch die Coronapandemie situationsbedingt erfolgt ist, und den vielfältigen Chancen, die jetzt noch besser genutzt werden müssten. Hier gibt es m.E. durchaus blinde Flecke, indem im digitalen Lernen die Lösung vieler, man könnte manchmal sogar meinen aller Probleme gesehen wird. Kindliches lernen ist jedoch nicht primär nutzenorientiert, sondern zweckfrei. Es beginnt mit dem Staunen. Und „etwas begreifen“ ist etwas Haptisches, es ist durchaus wörtlich zu verstehen und trifft auch für Erwachsene noch zu. Doch ich bin zuversichtlich, dass die dialogische Haltung und der dialogische Ansatz, der im Curriculum entfaltet wird, eine gute Basis darstellt, auch mit digitalen Lernformen konstruktiv-kritisch umzugehen.

Welche Nachricht möchten Sie als Sprecher des Konsortiums Elternchance gerne verkünden oder als Wunsch äußern?

Bund und Länder haben sich auf eine gemeinsame Finanzierung geeinigt. So können (Familienbildungs-)Träger bedarfsgerecht sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze einrichten. Mein Wunsch ist, dass die Elternbegleiter*innen endlich adäquat entlohnt arbeiten.

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