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Elternbegleitung in der Kommune nachhaltig gestalten

Annette Märker im Interview

Welchen Mehrwert hat Elternbegleitung für Ihren Sozialraum und die Familien?

Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter sind vor Ort ein wichtiger Baustein in unserer kommunalen Jugendhilfelandschaft. Sie erreichen Eltern, Kinder und Jugendliche direkt in ihrem gewohnten Umfeld, wie zum Beispiel in den Einrichtungen der Familienbildung, in Familienzentren, in der Kita, den Schulen oder Mehrgenerationenhäusern und anderen pädagogischen Einrichtungen. Dieser direkte Zugang und ihre durch die Qualifizierung zur Elternbegleitung ausgebaute, dialog- und ressourcenorientierte Haltung ermöglicht es den Fachkräften, mit den Familien leichter in einen Austausch zu erziehungs- und alltagsrelevanten Fragestellungen zu kommen. Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter sehen individueller auf Bedarfe von Familien, bieten ihnen Orientierung in der Bildungslandschaft und begleiten Bildungsübergänge. Wenn Eltern darüber hinaus weiterführende Hilfe benötigen, bieten sie Netzwerkstrukturen und vermitteln zu anderen familienbildenden- und familienunterstützenden Angeboten. Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter ermutigen Familien, zum Beispiel durch einen Perspektivwechsel neue Entscheidungen zu treffen, sodass sie frühzeitig bedarfsbezogene Hilfe annehmen können und wollen. Dass dieser Ansatz wirkt, spiegelt sich auch in meiner alltäglichen Arbeit als Fachberaterin der Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt Bochum wider: Eltern kommen als wirklich interessierte „Klientinnen und Klienten“ und nicht als gezwungene „Besucherinnen und Besucher“ in die Beratungsstelle.   

Wie können Sie mit Hilfe kommunaler Strukturen und anderen Partnern Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter in ihrer täglichen Arbeit unterstützen?

Meine Kollegin und ich begleiten den Arbeitskreis der Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter bei uns in Bochum. Bei den z. Zt. zweimal jährlich stattfindenden Treffen haben Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter die Möglichkeit, sich sozialraum- und trägerübergreifend zu wichtigen Themen und Fragestellungen auszutauschen und Netzwerkstrukturen mit weiteren Kooperationspartnerinnen und -partnern auszubauen. Das ist ein kleiner, aber elementarer Rahmen, der meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für die Nachhaltigkeit der Arbeit in der Elternbegleitung ist. So erhalten die Fachkräfte, die überwiegend aus den Bereichen Familienzentrum und Kita kommen, Inspiration für ihre tägliche Arbeit. Ein weiterer, wichtiger Netzwerkpartner in unserer Bochumer Netzwerkarbeit ist seit 2017 das Projekt „Bochumer Netzwerke Elternbegleitung“ vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Bochum. Projektträger, Netzwerkpartner sowie Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter stellen im Rahmen des Arbeitskreises ihre Angebote für geflüchtete Familien im Rahmen des Bundesmodellprogrammes vor, sodass diese bekannt werden und weiterentwickelt werden können.

Meine Kollegin und ich stehen aber auch in unserer alltäglichen Arbeit der Beratungsstellen bedarfsabhängig mit Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern im Austausch. Wir unterstützen sie zum Beispiel mit fachbezogenen Dialogen und Impulsen zu fachspezifischem Hintergrundwissen. Für das Jahr 2021 planen wir zudem, mithilfe von Landesförderungsmitteln bedarfsorientierte Weiterbildungen durch externe Referentinnen und Referenten umzusetzen und einen Fachtag anzubieten. So können wir die Kompetenzen der Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter nachhaltig bestärken.

Wie wirkt sich die aktuelle Situation rund um Corona aus Ihrer Sicht auf die Arbeit der Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter und ihre Zusammenarbeit mit Ihnen aus?

Wie in allen Lebensbereichen hatte die Pandemie natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit der Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter. Der persönliche Kontakt zu den Eltern war und ist nur bedingt oder gar nicht möglich. Da ist Kreativität gefragt. Viele Einrichtungen bieten deshalb Telefonsprechstunden an, schicken Briefe oder bedienen sich der sozialen Medien.

Die größten Einschnitte gab es während des Lockdowns. Da musste auch ein geplantes Arbeitskreistreffen ausfallen. Der E-Mail-Verteiler dieses Treffens stellte aber eine gute Plattform dar, um die Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter mit aktuellen Informationen zu versorgen, z. B. über Hotlines rund um Fragestellungen zum Familienleben in Zeiten von Corona. Unsere guten Netzwerkstrukturen mit Transparenz und Austausch in Bochum haben auch während dieser Zeit dafür gesorgt, dass die Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter untereinander von ihren jeweiligen Angeboten wussten. Sie konnten sich zudem, wie zu jeder Zeit, bei mir in der Beratungsstelle zum kollegialen Austausch und möglichen Fallbesprechungen melden.

Wenn Sie jede Woche 5 Stunden freigestellt bekommen würden für die Zusammenarbeit mit Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern, was würden Sie machen?

Ich könnte Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern umfangreicher unterstützen und begleiten, der Zusammenarbeit etwas mehr Raum geben. Gute Netzwerkarbeit sowie fallbezogene und kollegiale Beratung von Fachkräften und Eltern vor Ort braucht Zeit.

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