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Eine gemeisame Reise

Sarah Rockenberger im Interview

Frau Rockenberger, was leisten Sie konkret als Elternbegleiterin für die Familien?

Zunächst einmal bin ich einfach da und schenke den Familien meine Zeit. Ich höre ihnen zu und gehe mit ihnen bei Bedarf zu verschiedenen Einrichtungen wie der Kita, dem Jugendamt oder zu Beratungsstellen. Die Elternbegleitung hat aber vorrangig ein höheres Ziel. Ich begleite Eltern in ihrem eigenen Entwicklungsprozess in Bezug auf ihre Elternrolle. Bei Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen, z. B. in einer Spielgruppe, stärke ich ihre Elternkompetenz und ihr Bewusstsein für ihre wichtige Rolle beim Bildungsverlauf ihrer Kinder. Dabei lege ich großen Wert auf eine dialogische Haltung. Ich präsentiere den Eltern keine fertige Antwort, sondern unterstütze sie darin, eigenverantwortlich Lösungen für ihre persönlichen Herausforderungen zu finden. Sie wissen nämlich am besten, was sie sich für ihre Kinder wünschen. Diese Bereitschaft, mich wirklich auf mein Gegenüber einzulassen, schätzen die Familien.

Welchen Mehrwert hat Elternbegleitung für die Einrichtung?

Als Einrichtung für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf leben wir den inklusiven Ansatz und sind offen für alle Mitglieder unserer Gesellschaft. Gemeinsames Erleben gestaltet sich im Alltag aber oft noch schwer. Es ist wichtig, hier Hürden und Vorurteile abzubauen. Wir haben in unserem Kiez schon einige tolle Projekte, die dieses Thema in der Elternarbeit angehen.

Deswegen lege ich großen Wert darauf, Vernetzungsstrukturen auf- und auszubauen. Nur so können wir die bestmögliche Unterstützung bieten. Das hilft nicht nur den Eltern, sondern auch mir: Ich nutze bereits bestehende Strukturen in anderen Einrichtungen und die Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen, um auch Familien zu begegnen, die – etwa aufgrund von Sprachbarrieren – nicht von allein zu mir kommen. Mit der Elternbegleitung hat sich für den AWO FALK-Club so eine weitere Möglichkeit ergeben, den inklusiven Gedanken zu leben und auch die Einrichtung als eine Begegnungsstätte für alle Menschen aus unserem Kiez noch mehr zu öffnen.

Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf Ihre Arbeit aus?

Natürlich war auch unsere Einrichtung vom Corona-Lockdown betroffen und wir mussten zunächst alle Angebote aussetzen. Ich habe dann neue Formate eingeführt, um die Familien weiterhin begleiten zu können. Eine wichtige Rolle hat dabei der telefonische Kontakt gespielt. Da ich aus meiner Erfahrung als Mutter selbst weiß, dass Eltern oft nur am Abend ein wenig Zeit für sich finden, habe ich ein Sorgentelefon genau in diesem Zeitfenster eingerichtet. Dann bin ich da und habe ein offenes Ohr. Doch es ist natürlich ein Unterschied, ob ich mein Gegenüber direkt sehe, anhand der Körperhaltung auf die Stimmung schließen kann, oder nur die Stimme höre.

Was motiviert Sie – trotz möglicher Hürden – Elternbegleitung weiterhin umzusetzen?

Ich bin eine der wenigen Elternbegleiter*innen in Berlin, deren Arbeit als ein Projekt in der AWO Berlin Kreisverband Südost e.V. durch die Senatsverwaltung finanziert wird. Dieses Privileg weiß ich sehr zu schätzen. Es gibt so viele Kolleginnen und Kollegen, die dies in ihrer regulären Arbeitszeit tun. Dabei ist gerade der Faktor Zeit für diese wertvolle Arbeit entscheidend. Häufig fehlen auch die Möglichkeiten der Vernetzung mit anderen Elternbegleiterinnen und -begleitern. Der gegenseitige Austausch ist aber wichtig, um die eigene Arbeit weiterentwickeln zu können. Ich denke nicht nur für mich, sondern auch für alle Elternbegleiterinnen und -begleiter, die mit diesen Hürden zu kämpfen haben, ist die positive Rückmeldung der Familien die wichtigste Motivation. Elternbegleitung ist eine gemeinsame Reise, auf die wir mit den Familien gehen dürfen.

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