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Arndt Reich: Unterstützung der Familien mit geringem Einkommen

Arndt Reich ist Berater in der Familienkasse Direktion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Dort unterstützt er eine Initiative für die strategische Weiterentwicklung der Netzwerkarbeit und zur Förderung lokaler Netzwerke durch die regionalen Familienkassen. Mit seiner Arbeit leistet Herr Reich auch einen Beitrag zur Unterstützung der Familien mit geringem Einkommen.  

Das Kindergeld ist allen Familien bekannt. Die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit zahlt auch den Kinderzuschlag aus. Welche Leistungen können Familien noch bei Ihnen beantragen?

Neben den genannten Leistungen unterhalten die regionalen Familienkassen Beziehungen zu vielen ganz unterschiedlichen Netzwerken zu familienpolitischen Leistungen rund um die Familien vor Ort - zum Beispiel um als Lotse oder durch individuelle Beratung in Zusammenarbeit mit unseren Partnern zu unterstützen. Damit sollen Familien zu den, zu ihrer Lebenslage passenden familienpolitischen Leistungen kommen.

Als Elternbegleiter*in und Elternteil ist es nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Welchen Tipp haben Sie für Elternbegleiter*innen, wo sie sich über Unterstützungsmöglichkeiten erkundigen können?

Einen sehr guten und niedrigschwelligen Eintritt in die Netzwerkarbeit mit der Familienkasse vor Ort bieten unsere Plakate und Flyer für die wichtigsten finanziellen Familienleistungen im Netzwerk. Diese können über die zuständige regionale Familienkasse bezogen werden. Welche Kasse zuständig ist, können Elternbegleiter*innen einfach auf der Seite www.arbeitsagentur.de über die Dienststellensuche am unteren rechten Ende der Seite erfahren. „Wir helfen Familien“ ist bei uns mehr als nur ein Slogan. Die Familienkasse hält insgesamt ein umfassendes Internetangebot bereit, z.B. auch den „KiZ-Lotsen“ mit dem der mögliche Anspruch auf Kinderzuschlag schnell eingeschätzt werden kann.

Im Jahr 2019 hat die Familienkasse regelmäßig eine Workshopreihe von elternchance e.V. mit Referierenden unterstützt. Durch die Pandemie wurde die Reihe 2020 leider nicht fortgesetzt. Wir haben großes Interesse daran, diese Zusammenarbeit bald wieder aufleben zu lassen. Dieses Format bietet viele Anknüpfungspunkte für den Auf- und Ausbau von Netzwerken zu allen regionalen Familienkassen. Ein Ziel ist auch, in jeder Region eine*n Ansprechpartner*in der Familienkasse zu haben.

Welche Familien nehmen die Familienleistungen in Anspruch?

Das Kindergeld wird von nahezu jeder Familie mit Kindern in Anspruch genommen.

Der Kinderzuschlag ist eine Leistung, die es zwar schon lange gibt, die aber immer noch zu wenig in Anspruch genommen wird. Er soll Familien mir geringem Einkommen unterstützen. Aktuelle Zahlen stellt die Familienkasse Direktion auf der Seite https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=20656&topic_f=famka-kiz-mz zur Verfügung.

Sind die Kinder in den Familien, die die Leistungen beziehen, von Kinderarmut betroffen?

Der Anspruch auf das Kindergeld besteht einkommenunabhängig und damit losgelöst von der sozialen Lage der Familie.

Der Kinderzuschlag (KiZ) ist hingegen eine der Grundsicherung zum Lebensunterhalt (SGB II) vorgelagerte Leistung für erwerbstätige Eltern, die den Bedarf der Kinder decken soll. Der KiZ deckt das Existenzminimum der Kinder (und Eltern). Das heißt, gerade durch den Bezug des KiZ wird Kinderarmut vermieden. Das beste Mittel gegen Kinderarmut ist ein auskömmliches Einkommen der Eltern. Der Kinderzuschlag schafft auch Erwerbsanreize bei den Eltern.

Der KiZ kommt aber bei vielen Eltern nicht an, viele Familien befinden sich in verdeckter Armut. Würde der KiZ besser in Anspruch genommen, könnte Kinderarmut häufiger vermieden werden.

Werden die Leistungen für Familien mit geringem Einkommen selbstverständlich in Anspruch genommen oder sind sie mit (persönlichen) Hürden verbunden?

Der Gesetzgeber hat die Zugangsvoraussetzungen zum Kinderzuschlag vereinfacht. Die Familienkasse hat seit dem Starke-Familien-Gesetz noch einmal erhebliche Mühen darauf verwendet, die Hürden in bürokratischer Hinsicht z.B durch Abstimmungen mit anderen Trägern weiter abzubauen. Zusammen mit unserem Online-Antrag und der Videoberatung steigt die Zahl derer, die die Leistung in Anspruch nehmen, seit 2019 deutlich.

Was brauchen Ihrer Meinung nach Familien mit geringem Einkommen?

Die Bundesregierung hat vor einigen Jahren in einem Bericht alle familienpolitischen kinder- und elternabhängigen Leistungen erhoben. Sie kam dabei auf über 150 unterschiedliche familienpolitische Leistungen, auf die Kinder, Eltern und Familien bei unterschiedlichsten Trägern, in den verschiedensten Lebenslagen und auf unzähligen Zugangswegen Anspruch haben können.

Alle Eltern und Familien aber insbesondere solche mit geringem Einkommen brauchen unbedingt einen einfachen Zugang zu einem umfassenden Beratungsangebot. Sie brauchen einen starken und professionellen Lotsen an Ihrer Seite, um Zugang zu den Leistungen zu erhalten, die ihnen zustehen. Genau dieses Ziel verfolgen wir u.a. mit unserer Initiative zur Förderung regionaler Netzwerke. Daneben bemühen wir uns auf unterschiedlichen Ebenen, auf umfassende gesetzliche Vereinfachungen hinzuwirken. Damit können wir Familien ganz konkret helfen.

Nach fast anderthalb Jahren Kontaktbeschränkung sind Begegnungen in Kitas, Familienzentren und anderswo wieder möglich. Sind die Berater*innen der Familienkassen wieder aufsuchend unterwegs und können Elternbegleiter*innen direkt über Familienleistungen informieren?

Ja. Wir sind auch froh, dass wir dieses Angebot wieder aufnehmen können. Es gilt vor allem, Elternbegleiter*innen und unsere Berater*innen wieder in Kontakt zu bringen, da hat es in der langen Zeit auch Wechsel gegeben und wir sind – noch – nicht überall vor Ort. Wie bereits gesagt, verfolgen wir daher insbesondere das Ziel, an den Formaten von elternchance e.V. als Referenten und Netzwerker teilzunehmen und in jeder regionalen Familienkasse einen Ansprechpartner zu benennen.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Eine Welt ohne Elternbegleitung… ist ein deutlich beschwerlicherer Ort für Familien.

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