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Familienbildung

Familien stehen in ihren vielfältigen und unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten und Formen des Zusammenlebens unter dem besonderen Schutz des Staates, wie Artikel 6, Abs.1 des Grundgesetzes (GG) festschreibt. Im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII) bzw. dem Kinder- und Jugendhilfegesetz wird dieser Schutzverantwortung des Staates mit dem §16 zur Allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie Rechnung getragen. So sollen Mütter, Väter, Erziehungsverantwortliche und junge Menschen in der Wahrnehmung ihrer Erziehungskompetenzen gestärkt werden. Als Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie werden in §16 (2) des SGB VIII unter anderem genannt:

Angebote der Familienbildung, die auf Bedürfnisse und Interessen sowie auf Erfahrungen von Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen eingehen, die Familien in ihrer Gesundheitskompetenz stärken, die Familie zur Mitarbeit in Erziehungseinrichtungen und in Formen der Selbst- und Nachbarschaftshilfe besser befähigen sowie junge Menschen auf Ehe, Partnerschaft und das Zusammenleben mit Kindern vorbereiten.

Für die Bereitstellung der Angebote und Leistungen der Familienbildung sind die örtlichen Träger der Jugendhilfe/ Jugendämter im Rahmen ihrer Gesamtverantwortung (§79 SGB VIII) zuständig. Diese fördern in der Regel die Angebote und Einrichtungen in freier Trägerschaft oder sind selbst Träger oder Anbieter. Angebote der Familienbildung werden von einer Vielfalt von Trägern und Akteuren innerhalb und außerhalb der Jugendhilfe vorgehalten. Zu den Einrichtungen der Familienbildung zählen z.B. Familienbildungsstätten, Eltern-Kind-Zentren, Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser, Einrichtungen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kindertageseinrichtungen mit familienbezogenen Angeboten und viele andere mehr.

Familienbildung ist Aufgabe der präventiven Kinder- und Jugendhilfe, indem sie junge Menschen auf Partnerschaft und das Zusammenleben in der Familie vorbereitet, frühzeitige Unterstützung bei der Wahrnehmung von erzieherischer Verantwortung bereitstellt sowie Familien im Hinblick auf Prozesse der Alltagsbildung und des informellen Lernens stärkt.

Mit einer bedarfsgerechten Angebotsstruktur berücksichtigt Familienbildung die vielfältigen und unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten und -phasen von Familien, z.B. durch spezielle Angebote für Alleinerziehende. Die Angebotsausrichtung von Familienbildung ist niedrigschwellig und alltagsnah, und steht allen Familien kostenfrei oder kostengünstig zur Verfügung.

Familienbildung orientiert sich an einem ganzheitlichen Bildungsverständnis und sieht ihre Aufgabe darin, neben der Bereitstellung von Informations- und Beratungsformaten für Familien auch die Beziehungs- und Alltagskompetenzen von Erziehenden durch lebensnahe und begleitende Angebote zu stärken. Insbesondere Familien in schwierigen Lebenslagen oder Konfliktsituationen erhalten konkrete Hilfestellung und Unterstützung und werden in ihren Fähigkeiten zur Bewältigung von Konflikten und zur selbstverantwortlichen Wahrnehmung ihrer Familienaufgaben gestärkt.

Im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Aufgabe zur Stärkung der Chancengleichheit aller Familien und die Wirksamkeit ihrer primär-präventiven Zielsetzung ist die historisch gewachsene Mittelschichtsorientierung der Familienbildung zu überwinden. Die Entwicklung und Bereitstellung von niedrigschwelligen, alltagsnahen und aufsuchenden Formaten und Angeboten eröffnet Akteuren und Einrichtungen der Familienbildung Zugang zu Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf, zu Familien in prekären und sozial benachteiligten Lebenslagen und Familien mit Migrationshintergrund. Somit trägt Familienbildung zum Wohlbefinden und zur Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe aller Familien bei.

Zentrale Handlungsansätze der Familienbildung bestehen darin, Orte der Begegnung und Kommunikation für Eltern und Familien zu schaffen, mit Bildungsangeboten Eltern und Erziehungsverantwortliche für den familiären Alltag zu stärken, niedrigschwellige Zugänge zu Information und Beratung zu gewährleisten sowie Familien bei Bedarf innerhalb eines gewissen Zeitraums individuell und niedrigschwellig zu begleiten. Diese Handlungsansätze der Familienbildung sind eng miteinander verzahnt und entfalten sich entlang einer vielfältigen Angebotslandschaft, die von Eltern-Cafés, Kursangeboten und Themenabenden bis zu offenen Sprechstunden und individuellen Beratungssettings reicht.

Familienbildung etabliert passgenaue Angebote mit Blick auf identifizierte Bedarfslagen im Sozialraum und berücksichtigt dabei die bereits bestehende Angebotslandschaft, um die Entstehung von Doppelstrukturen vor Ort zu vermeiden. Um eine wirksame und bedarfsgerechte Angebotsstruktur zu etablieren, ist die Vernetzung und Kooperation der Familienbildung mit anderen Akteuren, Institutionen und Trägern sowie sozialen Diensten im Sozialraum unerlässlich.

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