Skip to main navigation Skip to main content

Bestandsaufnahme von Angeboten für Familien: Neue Studie zu Familienbildung und Familienberatung

[17.06.2021] Die Bestandsaufnahme stellt heraus, welche Angebote der Familienbildung und Familienberatung es in Deutschland gibt und welche Zielgruppen mit den Angeboten erreicht werden. Zusätzlich fokussiert die Studie Strukturen und Kooperationen der Einrichtungen. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie liefert sie zudem erstmals Angaben zu der Frage, wie Einrichtungen der Familienbildung und Familienberatung bis Ende 2020 mithilfe neuer Angebotsformate durch die Krise gekommen sind.

Grundlage der Studie bildet eine Online-Befragung, an der rund 2.200 Einrichtungen der Familienbildung und Familienberatung bundesweit teilgenommen haben. Um Veränderungen bei den Angeboten und in der Teilnehmendenstruktur feststellen zu können, wurden die Ergebnisse der Befragung mit einer Studie aus dem Jahr 2006 verglichen.

Große Reichweite und ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten für Familien

Die Familienbildung vermittelt Wissen zu familienrelevanten Themen, etwa in Eltern-Kind-Gruppen, in offenen Angeboten wie Elterncafés oder aufsuchenden Angeboten. Die befragten Einrichtungen haben im Jahr 2019 rund 70.000 solcher familienbezogenen Präventionsangebote umgesetzt. Thematische Schwerpunkte der Familienbildung liegen bei familienbezogenen Präventionsangeboten zur Stärkung der Erziehungs- und Alltagskompetenzen von Eltern sowie bei partnerschaftlicher Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Aspekten von Trennung und Scheidung. Weitere familienpolitisch bedeutsame Inhalte in der Familienbildung stellen die Themen Integration, Medienbildung sowie finanzielle Fragen der Familien dar.

Demgegenüber stehen bei der Familienberatung individuelle Beratungsangebote im Zentrum. Die Familienberatung stärkt Familien in der Bewältigung akuter oder drohender Erziehungs-, Beziehungs- und Familienprobleme. Im Jahr 2019 ging es dabei vor allem um Themen wie Trennung und Scheidung, Belastungssituationen durch familiäre Konflikte und Fragen zur Erziehung.

Die befragten Einrichtungen der Familienbildung und Familienberatung haben 2019 rund 1,6 Millionen Personen mit ihren Angeboten erreicht. Hinzu kommen rund 630.000 individuelle Beratungsfälle.

Bildungsbegleitung etabliert sich als neues Tätigkeitsfeld

In den vergangenen Jahren hat sich ein neuer Tätigkeitsbereich etabliert: Angebote der Bildungsbegleitung stärken Eltern dabei, ihre Kinder auf ihrem Bildungsweg zu unterstützen, und wirken damit ungleichen Bildungschancen entgegen. Insgesamt wurden sie 2019 in vier von zehn Einrichtungen umgesetzt. Jede zehnte Einrichtung plant darüber hinaus den Ausbau von Angeboten zur Bildungsbegleitung. Hierzu zählen vor allem Einrichtungen der Eltern- und Familienbildung. Sie stehen Eltern in Bildungsfragen mit konkreten Hilfestellungen zur Seite und wirken ungleichen Bildungschancen von Anfang an entgegen.

Erreichung einer Vielfalt von Familien in unterschiedlichen sozialen Lebenslagen

Die Angebote der Familienbildung und -beratung richten sich an alle Familien. Dafür knüpfen sie an den unterschiedlichen Lebenslagen und entsprechend vielfältigen Bedarfen von Familien an. Verschiedene Familienformen und Familientypen werden auf diese Weise erreicht; auch Familien in besonderen Belastungssituationen werden angesprochen (z.B. Familien in/nach Trennung und Scheidung).

Besonders häufig nehmen Alleinerziehende, aber auch Paarfamilien sowie Familien mit Kindern zwischen ein und drei Jahren die Angebote der befragten Einrichtungen wahr. Eine vergleichsweise geringere Inanspruchnahme erfolgt durch werdende Eltern und Familien mit Einwanderungsgeschichte. Auch nutzen Väter die Angebote noch deutlich seltener als Mütter.

Mit den Familienbildungs- und Familienberatungsangeboten werden Menschen aller sozialer Schichten erreicht. In den befragten Einrichtungen werden Angebote mehrheitlich von Personen mit niedrigem und mittlerem sozialen Status in Anspruch genommen. Gerade Familien mit geringen Ressourcen oder aus benachteiligten Lebenslagen können von den Angeboten der Familienbildung und Familienberatung besonders profitieren.

Komm-Strukturen bleiben wichtig und werden zukünftig verstärkt durch Geh-Strukturen und digitale Zugänge ergänzt

Familien werden weiterhin vorrangig über räumlich gebundene Angebote in den Einrichtungen erreicht (sog. Komm-Strukturen). Die befragten Einrichtungen erwarten jedoch für die nächsten fünf Jahre einen höheren Stellenwert weiterer Zugangswege: Angebote an Orten, an denen sich Familien im Alltag aufhalten (sog. Geh-Strukturen), sowie digital geprägte Angebote bestehen bereits und wachsen weiterhin in ihrer Bedeutung. Familienbildung und -beratung reagieren damit auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen in Folge der Corona-Pandemie und den Fortschritt digitaler Vernetzung. Diese Vielfalt der Zugangswege ermöglicht es, den Adressatenkreis der Familien zu vergrößern.

In der Corona-Pandemie wurden neue Angebote geschaffen – Insbesondere im digitalen Raum

Die Corona-Pandemie führte zu Einschränkungen in der Arbeit der Familienbildung und -beratung (2020). Durch die vorübergehende Schließung von Einrichtungen konnten viele Angebote in der bisherigen Form nicht durchgeführt werden. Diese besonderen Herausforderungen konnten zwei Drittel der befragten Einrichtungen dennoch erfolgreich zum Ausbau bestehender sowie zur Schaffung neuer digitaler Angebote nutzen und somit den Kontakt zu vielen Familien aufrechterhalten. Auch aufsuchende Angebote wurden im Bereich der Familienbildung verstärkt umgesetzt. Eine eingeschränkte Erreichbarkeit wurde von einem Drittel der Einrichtungen für Familien mit Migrationshintergrund und für Familien mit wenig Internetkenntnissen festgestellt.

Die Studie ist auf der Webseite der Prognos AG abrufbar unter https://www.prognos.com/de/Familienbildung-und-beratung.

Eine Zusammenfassung der Bestandsaufnahme finden Sie unter https://www.elternchance.de/fileadmin/elternchance/dokumente/210603_Bro_A4_Bestandsaufnahme_Familienbildung_v03__RZ.pdf

Seite per E-Mail weiterempfehlenSeite auf Facebook teilenSeite twittern